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Wir leben in einer Ära, in der Sichtbarkeit, Geschwindigkeit und Erfolg zu ständigen Begleitern geworden sind. High Performance ist nicht länger nur ein Begriff aus der Wirtschaft – er ist zum Lebensstil geworden. Eine Haltung, die wir uns selbst auferlegen, bewusst oder unbewusst. Und genau hier nistet sich der stille aber hartnäckige Begleiter ein: der Selbstzweifel.

Darwins Weg

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie produktiv und zugleich quälend Selbstzweifel sein kann. Charles Darwin arbeitete fast zwei Jahrzehnte im Verborgenen an seinen Überlegungen zur Entstehung der Arten. Er notierte, verglich, widerlegte sich selbst, züchtete Tauben, sammelte Belege und schrieb seine Thesen wieder um. Nicht weil seine Forschungen schlecht waren, sondern weil ihn die Frage quälte, ob seine Beobachtungen wirklich handfest waren und den öffentlichen Widerspruch aushalten würden. Darwin war nicht der Mann der schnellen Thesen und sein Zweifel machte ihn zum akribischen Prüfer der eigenen Ideen. Erst als Alfred Russel Wallace unabhängig zu ähnlichen Erkenntnissen kam, entschied er sich, seine Theorien zu veröffentlichen – und veränderte damit das wissenschaftliche Weltbild. Darwins Weg zeigt, dass Selbstzweifel auch eine Methode sein kann: ein Prüfstein, der Gedanken schärft, Belege sammelt und die Qualität erhöht. Doch derselbe Zweifel hätte ihn auch fast davon abgehalten, je sichtbar zu werden.

Eine Paradoxe Doppelrolle

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Selbstzweifel eine paradoxe Doppelrolle spielen: Sie sind Antrieb und Bremse zugleich. Auf der einen Seite motivieren sie uns, besser zu werden, über Grenzen hinauszugehen und das eigene Können zu schärfen. Auf der anderen Seite untergraben sie das Vertrauen in uns selbst, lassen uns Erfolge nicht anerkennen und führen dazu, dass wir Chancen verpassen – aus Angst, nicht gut genug zu sein.

Psychologisch betrachtet hängt Selbstzweifel eng mit dem inneren Kritiker zusammen – jener Stimme, die uns ständig bewertet und an Massstäben misst, die oft unerreichbar sind. In High-Performance-Umfeldern wird dieser Kritiker zusätzlich verstärkt: Jeder Fehler, jede Verzögerung, jede kleinste Abweichung wird sofort als Beweis interpretiert, zu versagen. Statt darin eine Lernchance zu erkennen, entsteht Scham oder das Gefühl, nicht mithalten zu können.

Die entscheidende Frage lautet also: Treibt uns der Selbstzweifel wirklich voran – oder hält er uns davon ab, unser eigentliches Potenzial zu entfalten? Wie viele Möglichkeiten entgehen uns, weil wir uns kleinhalten? Und könnte es nicht sein, dass die eigentliche Stärke darin liegt, Unvollkommenheit zuzulassen und trotzdem zu handeln?

Wie ich meinen Selbstzweifel für mich nutzen kann

Selbstzweifel in High Performance Zeiten ist kein Makel, sondern ein Begleiter, den wir schätzen lernen können. Er weist uns auf unsere Werte und Ansprüche hin und zeigt uns gleichzeitig die Stellen, wo wir uns selbst im Weg stehen. Die Herausforderung liegt darin, ihn nicht als Feind, sondern als Botschafter zu betrachten: Welchen Rat hat er für mich? Und wo darf ich mich von ihm lösen, um mutig meinen eigenen Weg zu gehen?

Vielleicht mögen Sie sich bewusst machen, in welchen Situationen Ihr Selbstzweifel am lautesten wird und welche Gedanken er Ihnen dann zuflüstert. Überlegen Sie sich, ob er Sie in diesen Momenten tatsächlich antreibt oder ob er Sie bremst. Erkennen Sie, wie es wäre, Ihre Zweifel nicht als Urteil über sich selbst zu sehen, sondern als Hinweis auf Ihre hohen Ansprüche. Und fragen Sie sich, was sich verändern könnte, wenn Sie sich erlauben, trotz Unsicherheit zu handeln, obwohl es sich noch nicht  „perfekt genug“ anfühlt.

Tipps für den Alltag, um konstruktiver mit Selbstzweifel umgehen zu können:

  • Zweifel wahrnehmen statt verdrängen: Notieren Sie sich Ihre Selbstzweifel, ohne sie zu bewerten – so schaffen Sie Distanz.
  • Erfolge sichtbar machen: Halten Sie regelmässig kleine und grosse Erfolge fest, um dem inneren Kritiker etwas entgegenzusetzen.
  • Fragen statt Glaubenssätze: Stellen Sie Ihren Zweifeln Gegenfragen „Stimmt das wirklich?“ oder „Welche Beweise habe ich für das Gegenteil?“ Finden Sie aktiv tragbare Gegenargumente.
  • Unsicherheit zulassen: Erinnern Sie sich daran, dass Wachstum oft dort beginnt, wo Sie noch nicht sicher sind.
  • Handeln trotz Zweifel: Üben Sie bewusst kleine Schritte, auch wenn die Stimme des Zweifels da ist – so stärken Sie das Vertrauen in sich selbst.

Was ich für Sie tun kann

Mit meiner psychosozialen Beratung helfe ich Ihnen, prozess- und personenzentriert die unterschwelligen Ursachen zu erkennen und zu verarbeiten. Dies fördert den Eigenprozess und Ihre damit verbundene Selbstentwicklung. Veränderungen brauchen Zeit. Um eine nachhaltige Lösung zu entwickeln, nutze ich die Prinzipien der 3E-Strategie als Grundlage.


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